Donnerstag, 3. Mai 2012

Mechwarrior P&P-Abenteuer: Die Sporen verdienen


Haben anachronistische Pen&Paper-Rollenspiele in der heutigen Netzwelt noch ihre Daseinsberechtigung? Ich glaube schon, denn sich gepflegt in trauter Runde treffen, zusammen ein paar Bierchen trinken und dabei spannende Abenteuer erleben, ist für mich das richtige Kontrastprogramm zum hektischen Web-Alltag. Hier jedenfalls die erste Episode unseres ersten Mechwarrior-Abenteuers, das ich derzeit für ein paar Kollegen meistere. Viel Spaß beim Lesen!

Was bisher geschah …

Wir schreiben das Jahr 3034. Es ist Winter, zumindest nach terranischer Normzeit. Auf Solaris VII aber, regnet es fast das ganze Jahr über. Um nicht bis auf die Knochen nass zu werden, haben sich zwei Gestalten in eine Bar namens The Cabin geflüchtet, die sich weitab des Stadtzentrums von Solaris City befindet. Die Gegend, in der sich die Bar befindet, wird im Volksmund nur das ‚Nördliche Pier‘ genannt, da sich hier der Solaris River hindurch schlängelt. Über Jahrhunderte war dieser Ort alles andere als beliebt, da er überwiegend als Müllkippe und Schrottplatz für die Überbleibsel der zahllosen Arenakämpfe genutzt wurde. Denn Solaris VII ist die Spielewelt, in der Mechkrieger aller Nationen für Geld, Macht und Ruhm gegeneinander antreten. Die besten von ihnen gehören Ställen im Stadtkern an, welcher allein so riesig ist, wie einige der größten terranischen Städte des 21. Jahrhunderts. Die fünf Stadtteile verteilen sich auf die großen Häuser: Davion, Steiner, Kurita, Marik und Liao. Ihre Randgebiete nennt man allgemein nur die ‚Reaches‘, dazu gehört auch das Nördliche Pier. Orte wie dieser bilden eine Zuflucht für Verfolgte, Abgehalfterte oder einfach nur Abgebrannte, wie unsere beiden Protagonisten. Der eine, etwas kleinere, ist in den Vierzigern. Sein Kopf ist derart kurz rasiert, als ob er sich erst kürzlich von seinem Haupthaar getrennt hätte. Einzig Stoppeln zeugen von einer ehemals prächtigen schwarzen Mähne. Unter den vielen Narben, die sein Gesicht prägen, zeigen sich scharfkantige asiatische Züge. Sein Kompagnon hingegen, der über einen Kopf größer ist, sieht aus als wäre er einer Werbebroschüre für Outdoor-Bekleidung entsprungen. Er ist erheblich jünger, vielleicht Anfang Zwanzig, groß, blond und breitschultrig. Ein ungleicheres Paar trifft man selten. In den Randgebieten von Solaris City aber, … ist vieles möglich, was in der restlichen Inneren Sphäre undenkbar wäre.

Die Kneipe The Cabin ist schlecht beleuchtet und kaum besetzt. In der Ecke kämpft quietschend eine altersschwache Klimaanlage gegen die sich aufstauende Hitze an, die von den vielen Bildschirmen erzeugt wird, die sich überall im Raum befinden. Live-Übertragungen und Aufzeichnungen aus den verschiedenen Arenen flimmern über die Mattscheiben. Auch jetzt blitzt wieder Laserfeuer auf, Raketensalven schleudern Erdreich durch den Sichtbereich und reißen Panzerplatten in Fetzen.
Das Inventar der Bar erscheint alt, ein wenig schäbig. Stühle und Tische erwecken den Eindruck, als ob es hier bereits zahlreiche handfeste Auseinandersetzungen gab. Trunkene Krieger, die den Kampf aus der Arena hierher getragen haben vielleicht. Oder enttäuschte Stallinhaber und Glücksritter, die auf den falschen Kämpen setzten. Im hinteren Bereich des Raumes verhängen dicke Filzvorhänge ein halbes Dutzend Séparées, die offensichtlich für private Runden genutzt werden. Was hier wohl gespielt wird?
Als die zwei Neuankömmlinge an den Tresen treten, blickt der bärtige Mann dahinter nur flüchtig auf. „Was darf’s sein?“, schnarrt der Barkeeper. „Ein Bier für mich und … was will mein Freund hier trinken?“, fragt der große Blonde. Der Asiate schaut flüchtig über die aufgereihten Flaschen hinter der Theke und antwortet leise: „Sake.“ Der Barmann stimmt ein tiefes, leicht verächtliches Lachen an. „Bei uns gibt es nur Bier und Drinks für echte Männer. Deinen Reisschnaps kannste bei deinen schlitzäugigen Freunden bestellen.“ Kaum ist das letzte Wort ausgesprochen, zieht der Asiate blitzschnell sein Seitenschwert, ein japanisches Katana, und hält es dem überraschten Barmann an die Kehle. „Sake, jetzt! Und keine weiteren Unverschämtheiten.“ Schweiß perlt von der Stirn des bulligen Mannes. Mit zittriger Stimme antwortet er: „Sorry Mann, aber wir haben keinen Sake. Nur Whiskey, einverstanden?“ Der Japaner nickt knapp und lässt das Schwert langsam, aber mit sicherer Hand wieder in der Scheide verschwinden. Der Barkeeper schenkt, immer noch zitternd, ein, da kommen Schritte aus einer dunklen Ecke des Raumes langsam näher. „Fred, hast du Probleme?“ Das Klacken der Sicherung einer Handfeuerwaffe ist in der Stille des Raumes gut zu hören. „Nein, alles in Ordnung. Wir wollen doch kein Blutvergießen hier, oder?“ Der vierte Mann, offenbar der Rausschmeißer der Bar, setzt sich für alle gut sichtbar auf einen wenige Meter entfernten Barhocker und klopft vielsagend auf den Schulterholster unter seiner linken Achsel und nickt dem Asiaten zu. „Noch so eine Aktion und Freddy muss mehr aufwischen als nur verschüttetes Bier.“

„Also, was wollen Typen wie ihr hier?“, fragt der Barmann mit angespannter Stimme und streicht die Credits ein, die der große Blonde als Bezahlung für die Getränke über den Tisch geschoben hat. „Einen Job“, antwortet dieser und versucht ein möglichst sympathisches Lächeln dabei aufzusetzen. „Wir sind …“ „… völlig abgebrannte Mechjockeys“, komplettiert der Barmann den Satz des Blonden und setzt eine ernste Miene auf. „Eure Sorte haben wir hier öfter. Darf ich mal eure Ausweise sehen? Nein, nicht den von euch, den eurer Mechs“ Er deutet mit seinem Daumen auf eine anachronistisch anmutende Holztafel über dem Tresen, worauf steht: „If you ain’t got a Mech, you ain’t get served!“ Widerwillig schiebt das Duo ihre frisch in Plastik verschweißten Ausweise zu Fred, dem Barkeeper. „Scheinen mir in Ordnung zu sein. So so, eure Mechs sind am Raumhafen eingelagert. Habt wohl noch keinen Anschluss gefunden, wie? Da seid ihr hier genau richtig, denn in diese Bar kommen häufiger Rekrutierer für Söldnereinheiten und Ställe, die Nachwuchstalente suchen.“ Der Blonde lehnt sich ein Stück weit über den Tresen und setzt ein gewinnendes Lächeln auf: „Genau das haben wir auch gehört.“ Der Barkeeper wirft einen kurzen Blick auf den Asiaten und nickt in dessen Richtung. „Obwohl, von Nachwuchs kann man bei deinem Partner ja nicht die Rede sein, so … ‚reif‘ wie er aussieht.“ Der Barkeeper kann ein öliges Grinsen nicht unterdrücken, aber diesmal lässt sich der Asiate nicht provozieren.

Just in diesem Moment wird es im hinteren Bereich der Kneipe laut und der Rausschmeißer, der es sich auf einem der Barhocker in der Nähe bequem gemacht hatte, geht schnellen Schrittes dem Tumult entgegen. Kurz darauf kehrt er mit einem Mann zurück, den er in Richtung Ausgang drängt und dabei dessen Arm mit routiniertem Griff auf dessen Rücken hält. Der Abgeführte ist um die Vierzig, unrasiert, etwas untersetzt und trägt einen mit Öl verschmierten Overall. Die Haare, die er hinten etwas länger trägt, kräuseln sich im Nacken. Während ihn der Wachmann vor sich her schiebt, stößt der Mann im Overall mit hartem, deutschem Akzent wilde Flüche aus. „Alta, nimm die Finger von mir! Oder ich brech‘ dir sämtliche Knochen. Scheiße, ich hab‘ ein Recht hier zu sein, genau wie alle anderen!“ Der große Blonde wendet sich dem Barmann zu und schaut ihn fragend an. Der zieht die Schulter hoch und setzt eine übertrieben mitleidige Mine auf. „Er ist einer von denen, ein Entrechteter. Ein Mechkrieger ohne Mech, und die haben hier nichts zu suchen. Ist schlecht fürs Geschäft, wenn Typen wie der hier die Stallinhaber und andere unserer besser betuchten Kunden um einen Mech anbetteln.“ „Na klar hab‘ ich einen Mech!“ zischt der Abgeführte zwischen den Zähnen hervor. „Ich kann‘s beweisen!“ Der Barmann bedeutet dem Rausschmeißer, seinen Griff zu lockern. „Na, denn mach mal.“ Als der Störenfried einen abgewetzten Zettel aus seinem Mantel nestelt und den Anwesenden für den Bruchteil einer Sekunde unter die Nase hält, bricht der Barkeeper in schallendes Gelächter aus. „Pack deinen Schülerausweis wieder ein! So eine miese Fälschung hab‘ ich lang nicht mehr gesehn." Pickiert blickt der Entrechtete den Barkeeper an. „Ey Mann, für den Ausweis habe ich in Silesia viel Kohle bezahlt, der ist nicht scheiße gefälscht!"
Als der Rausschmeißer ihn erneut ruppig packt, fasst sich der Blonde ein Herz und schiebt dem Barkeeper unter der Hand einen 50-Credits-Schein zu. „Und was, wenn er zu uns gehört?“ Der Bärtige lässt seine raue Hand über die des Blonden gleiten und den Geldschein in seiner Schürze verschwinden. „Okay, aber nur für heute. Sollte er morgen wieder da sein, verdoppelt sich die ‚Gebühr‘, verstanden? Also, was darf’s für dich sein, ‚Mechkrieger‘?“ Das letzte Wort spricht der Barkeeper derart verächtlich aus, dass Spucketropfen auf dem Tresen landen. „Für mich auch ein großes Blondes.“ Er wendet sich dem Großen zu. „Und danke Mann, das ist echt nett von euch. Ash mein Name, und wie heißt ihr?“

Wird fortgesetzt ...

1 Kommentar:

  1. Toll geschrieben - den Namen "Storyteller" hast Du Dir verdient ... ;) Freu mich schon auf die Fortsetzung unseres Abenteuers!

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